Tatunca Nara – bürgerlich Günther Hauck – täuschte die Welt als indigener Häuptling.
Drei Touristen verschwanden spurlos. Die wahre Geschichte hinter der Legende von Akakor.
Tatunca Nara irrer Häuptling aus Deutschland.
Tatunca Nara, bürgerlich Hansi Richard Günther Hauck, geboren am 5. Oktober 1941 in Grub am Forst (Bayern), ist ein deutsch-brasilianischer Hochstapler, der vorgibt, Oberhaupt eines indigenen Volksstammes in Brasilien zu sein.
Erste Auftritte und die Legende von Akakor
Im Sommer 1972 trat der braun gebrannte Mann erstmals öffentlich in Brasilien in Erscheinung und behauptete, Häuptling des unbekannten Volkes der Ugha-Mongulala zu sein. Sein Volk lebe in unterirdischen Gewölben tief im Regenwald – gemeinsam mit rund 2.000 deutschen Soldaten, die zwischen 1941 und 1945 per U-Boot nach Brasilien geflüchtet sein sollen. Zentrum dieser angeblichen Zivilisation sei die geheime Untergrundstadt Akakor, die später auch Erich von Däniken für seine Theorien über außerirdische Schätze und Höhlenstädte nutzte.
Besonders auffällig: Tatunca Nara sprach kaum Portugiesisch, beherrschte dagegen Deutsch nahezu perfekt – ein Umstand, der die brasilianischen Behörden von Beginn an misstrauisch stimmte.
Karl Brugger und die „Chronik von Akakor“
Der ARD-Korrespondent Karl Brugger ließ sich von den Erzählungen Tatuncas überzeugen und veröffentlichte 1976 das Buch „Die Chronik von Akakor“, in dem Tatunca Nara als Häuptling der Ugha Mongulala auftritt. Das Werk machte Tatunca weltweit bekannt. Filmemacher Jorge Bodanzky, der damals bei der Expedition dabei war, erklärte später, er habe von Beginn an nicht an Akakor geglaubt – Tatunca habe auf ihn nicht echt gewirkt, und auch in Manaus sei er bereits als möglicher Hochstapler bekannt gewesen.
Drei Verschwundene – und ein Toter
Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, arbeitete Tatunca Nara als Urwaldführer. Drei seiner Kunden kehrten nie zurück:
- John Reed (USA): verschwand 1980 nach einer gemeinsamen Expedition spurlos.
- Herbert Wanner (Schweiz): verschwand 1983 unter ungeklärten Umständen. Ein später geborgener Totenschädel wurde als der seine identifiziert.
- Christine Heuser (Schwedin): verschwand 1987 auf ebenso mysteriöse Weise.
Alle drei hatten Bruggers Buch gelesen und glaubten fest an die Existenz von Akakor und der Schwesterstadt Akahim – und daran, dass Tatunca Nara sie dorthin führen könne. Tatunca bestritt stets jede Beteiligung an ihrem Verschwinden.
1985 wurde Karl Brugger in Rio de Janeiro auf offener Straße erschossen. Der Fall blieb ungelöst.
Enttarnung
1990 stellten der Abenteurer Rüdiger Nehberg und Filmemacher Wolfgang Brög Tatunca eine Falle: Unter dem Vorwand einer Filmdokumentation begleiteten sie ihn in den Dschungel und filmten gezielt seine widersprüchlichen Aussagen. Der 58-minütige Dokumentarfilm wurde 1991 im ARD-Abendprogramm ausgestrahlt.
Das Bundeskriminalamt ermittelte Ende der 1980er Jahre, dass Tatunca Nara tatsächlich Günther Hauck ist, der 1966 als gescheiterte Existenz Deutschland verließ – eine Frau und drei Kinder in Nürnberg zurücklassend. Er wurde nach Deutschland ausgeliefert, setzte sich aber erneut nach Südamerika ab.
1989 organisierte ein Journalist eine Begegnung zwischen Hauck und seiner deutschen Ex-Frau Christa mitten im Urwald. Hauck erkannte sie sofort und sagte überrascht: „Du auch hier?“
Aktueller Stand
Tatunca Nara lebt weiterhin in Barcelos (Amazonas) am Rio Negro. Sein brasilianischer Pass weist ihn als „Tatunca Nara, Herkunft Indio“ aus. 2003 ließ er sich offiziell für geisteskrank erklären, das Strafverfahren wurde wegen seiner Abwesenheit eingestellt.
Die ARD verarbeitete den Fall 2024 in der True-Crime-Dokuserie „Tatunca Nara und die Toten im Dschungel“
Literatur
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Wolfgang Siebenhaar: Die Wahrheit über die Chronik von Akakor und andere Geheimnisse Südamerikas.
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Rüdiger Nehberg 2004: Abenteuer Urwald. München , ISBN 3-89029-286-0.
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Rüdiger Nehberg: Der selbstgemachte Häuptling. Kabel, Hamburg 1991, ISBN 3-8225-0169-7.
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Mysteriöse Morde in Südamerika – steckt Häuptling Tatunca Nara dahinter?
- Tatunca Nara und die Legende von Akakor: „Es liegt ein böses Omen auf dieser Geschichte“
