Was verbirgt sich wirklich tief unter den gewaltigen Tempelanlagen von Dendera?

Weshalb wurden ausgerechnet in den verborgenen Krypten des Hathor-Tempels Reliefs geschaffen, die bis heute zu den rätselhaftesten Darstellungen des Alten Ägypten gehören? Und warum erinnern diese Gebilde verblüffend an moderne elektrische Lampen? Die Schulwissenschaft sieht darin religiöse Symbolik. Doch reicht diese Erklärung tatsächlich aus?

Wer die Reliefs unvoreingenommen betrachtet, erkennt eine erstaunliche technische Logik. Vor uns erscheint ein großer, birnenförmiger Glaskolben. Im Inneren windet sich eine Schlange. Für den Ägyptologen symbolisiert sie eine Gottheit oder eine mythische Kraft. Ein Elektroingenieur hingegen denkt unweigerlich an eine elektrische Gasentladung, wie sie in einer Crookes-Röhre oder einer modernen Gasentladungslampe entsteht. Zufall?

Der große Kolben entspringt einer Lotosblüte. Nach traditioneller Auffassung ist sie ein Symbol der Schöpfung. Doch könnte sie nicht ebenso gut die Fassung einer Lampe darstellen? Einige Übersetzungen der begleitenden Hieroglyphen beschreiben sie sogar als aus Gold gefertigt. Gold ist einer der besten elektrischen Leiter. Weshalb sollte ausgerechnet dieses Material erwähnt werden, wenn nicht eine technische Funktion gemeint war?

Von der Lotosblüte führt ein länglicher, segmentierter Strang zu einem rechteckigen Behälter. Die Ägyptologie erkennt darin den Stängel einer Pflanze. Aber weshalb besitzt dieser Stängel eine so regelmäßige Segmentierung? Könnte es sich nicht vielmehr um ein isoliertes Kabel handeln, dessen Ummantelung aus einzelnen Glas- oder Keramikringen bestand?

Noch bemerkenswerter ist der Djed-Pfeiler, auf dem die gesamte Konstruktion ruht. Offiziell symbolisiert er Beständigkeit und die Wirbelsäule des Gottes Osiris. Doch seine Form gleicht modernen Hochspannungsisolatoren auf verblüffende Weise. Mehrere übereinanderliegende Scheiben verlängern den Kriechweg elektrischer Entladungen – genau nach demselben Prinzip, das heute weltweit in Hochspannungsanlagen verwendet wird. Wie viele Zufälle darf es geben?

Der vermeintliche Kabelstrang endet schließlich in einem rechteckigen Behälter, auf dem der Luftgott Schu kniet. Handelt es sich wirklich nur um einen Altar? Oder sehen wir hier einen Energiespeicher, einen Generator oder sogar einen Transformator? Vielleicht nutzten die Priester statische Elektrizität. Vielleicht standen ihnen chemische Batterien zur Verfügung, wie sie mit der berühmten Batterie von Bagdad in Verbindung gebracht werden. Oder verfügten sie über eine Energiequelle, deren Prinzip heute längst vergessen ist. Auch ein anderes Rätsel erhält plötzlich eine verblüffend einfache Erklärung.

In den tiefen Grabkammern Ägyptens fehlen fast überall Rußspuren. Dabei wurden dort kilometerlange Reliefs und Wandmalereien geschaffen. Wie arbeiteten die Künstler in völliger Dunkelheit? Mit Fackeln? Dann müsste sich Ruß an den Decken finden. Mit Öllampen? Dasselbe Problem. Mit Spiegeln? Diese Erklärung klingt zunächst plausibel, scheitert aber an der Physik. Nach wenigen Reflexionen verliert das Sonnenlicht einen Großteil seiner Intensität. In den verwinkelten Gängen und tiefen Krypten wäre kaum noch genügend Licht vorhanden gewesen, um feine Reliefs anzufertigen. Elektrisches Licht würde all diese Probleme auf einen Schlag lösen.

Genau diesen Gedanken verfolgte der Wiener Elektroingenieur Walter Garn. Er rekonstruierte die Dendera-Darstellung nach den exakten Proportionen des Originals. Nachdem der Glaskolben evakuiert und elektrische Spannung angelegt worden war, entstand im Inneren eine leuchtende Gasentladung in Form einer Schlange. Mit weiter sinkendem Luftdruck breitete sich das geheimnisvolle Leuchten über den gesamten Kolben aus – genau jenes Bild, das uns die Reliefs seit über zweitausend Jahren zeigen. Woher aber hätten die Ägypter ein derartiges Wissen beziehen sollen? Vielleicht geben ihre eigenen Überlieferungen die Antwort.

Immer wieder berichten die alten Texte von den Göttern, die vom Himmel kamen und den Menschen Wissen brachten. Sie lehrten Astronomie, Mathematik, Medizin, Architektur und Schrift. Ihr großer Lehrer war Thot – der Herr der Weisheit und der Wissenschaft. Ausgerechnet ihm schreiben die Überlieferungen zu, den Menschen das Licht gebracht zu haben. War dies lediglich eine poetische Metapher? Oder verbirgt sich hinter diesen Erzählungen eine historische Erinnerung?

Die Prä-Astronautik geht davon aus, dass die sogenannten Götter Besucher einer technisch weit überlegenen Zivilisation waren. Sie gaben ausgewählten Priestern Kenntnisse weiter, die weit über das damalige Entwicklungsniveau hinausgingen. Die Reliefs von Dendera wären demnach keine religiösen Fantasien, sondern die steinernen Erinnerungen an eine reale Technologie.

Auch eine weitere Einzelheit verdient Beachtung: Thot wird auf einigen Darstellungen mit zwei Messern gezeigt. Nach Auffassung der Prä-Astronautik könnten diese nicht nur kultische Attribute sein, sondern zugleich eine symbolische Warnung vor den Gefahren einer mächtigen Energiequelle – vergleichbar mit den Warnsymbolen, die wir heute an Hochspannungsanlagen kennen.

Ist all dies wirklich nur eine außergewöhnliche Kette von Zufällen? Oder blicken wir in Dendera auf das steinerne Vermächtnis einer längst vergessenen Technologie – einer Technologie, die den Menschen von Besuchern aus den Sternen überbracht wurde?

Die Antwort liegt seit Jahrtausenden unverändert in den Krypten von Dendera. Jeder kann sie sehen. Die entscheidende Frage ist lediglich, mit welchen Augen wir bereit sind, sie zu betrachten.

Warum die Götter-Astronauten im Dunkeln tappen

Seit Jahrzehnten begeistert eine Idee die Anhänger der Prä-Astronautik: Die alten Ägypter sollen bereits elektrischen Strom gekannt und sogar Lampen benutzt haben. Als wichtigster Beleg gelten die berühmten Reliefs in einer unterirdischen Krypta des Hathor-Tempels von Dendera. Was auf den ersten Blick tatsächlich an eine Glühbirne erinnert, erweist sich bei genauer Betrachtung jedoch als religiöse Darstellung und nicht als antike Technik.

Glühbirne oder Schöpfungsmythos?

Anhänger der Prä-Astronautik erkennen in den Reliefs einen Glaskolben, eine Schlange als Leuchtfaden und eine Lotosblüte als Lampenfassung. Die Ägyptologie deutet dieselben Elemente jedoch im Zusammenhang mit der altägyptischen Religion.

  • Die Schlange stellt den Gott Harsomtus dar, der als Morgensonne jeden Tag neu aus einer Lotosblüte geboren wird.
  • Die große Blase symbolisiert den Mutterleib der Himmelsgöttin Nut – oder den Himmel selbst –, in dem sich die Sonne vor ihrem Aufgang erneuert.
  • Der Djed-Pfeiler ist kein Hochspannungsisolator, sondern ein bekanntes Symbol für Beständigkeit und Dauer. In der Mythologie trägt er den Himmel.
  • Das vermeintliche Kabel ist in Wirklichkeit eine stilisierte Sonnenbarke, mit der der Gott seine Reise vollzieht. Farbreste auf vergleichbaren Darstellungen zeigen zudem eine Bänderung aus zusammengebundenem Schilf – ein Material, das sich kaum als elektrischer Leiter eignen würde.

Das Rätsel der fehlenden Rußspuren

Ein häufig genanntes Argument lautet, in den Gräbern und Tempeln seien keine Rußspuren zu finden. Deshalb müsse dort elektrisches Licht verwendet worden sein. Tatsächlich sprechen die archäologischen Funde eine andere Sprache.

  • Ruß ist durchaus vorhanden. In mehreren Anlagen, etwa in der Roten Pyramide oder in Gräbern im Tal der Könige, wurden deutliche Rußablagerungen gefunden. Teilweise mussten sie sogar aufwendig entfernt werden.
  • Öllampen konnten nahezu rußfrei brennen. Wurden hochwertige Brennstoffe verwendet und dem Öl Salz zugesetzt, entstand nur sehr wenig Ruß.
  • Schriftliche Quellen belegen den Einsatz von Lampen. In der Arbeitersiedlung Deir el-Medine fanden Archäologen Listen, auf denen der tägliche Verbrauch von Lampendochten für die Arbeiten in den Gräbern genau festgehalten wurde.

Die „Bagdad-Batterie“ als Stromquelle?

Als mögliche Energiequelle wird häufig die sogenannte Batterie von Bagdad genannt. Auch dieses Argument überzeugt jedoch nicht.

  • Die Zeit passt nicht. Die Gefäße stammen aus der Partherzeit zwischen etwa 250 v. Chr. und 224 n. Chr. Die großen Pyramiden waren zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als zweitausend Jahre alt.
  • Die Leistung war viel zu gering. Nachbauten erzeugen lediglich rund 0,5 Volt. Um auch nur eine moderne Glühlampe zu betreiben, wären Hunderte solcher Gefäße notwendig.
  • Es fehlt jede technische Infrastruktur. In Ägypten wurden weder elektrische Leitungen noch Schalter, Generatoren oder andere Bauteile gefunden, die zu einem Stromnetz gehören würden.

Was sagen die Hieroglyphen?

Die Reliefs von Dendera stehen nicht für sich allein. Sie sind von Hieroglyphen umgeben, die ihren Inhalt beschreiben.

Darin werden die dargestellten Objekte als Kultgegenstände aus Gold und Edelsteinen bezeichnet, die in der Krypta aufbewahrt wurden. Die Texte nennen den Gott Harsomtus und beziehen sich auf religiöse Rituale wie das ägyptische Neujahrsfest. Hinweise auf Elektrizität oder technische Geräte finden sich dagegen nicht.

Die Vorstellung einer „Lampe von Dendera“ beruht letztlich auf dem sogenannten „Sieht-aus-wie-Prinzip“. Eine Darstellung wird mit modernen Augen betrachtet und mit heutiger Technik verglichen. Berücksichtigt man dagegen die altägyptische Symbolsprache und die begleitenden Inschriften, zeigt das Relief eine religiöse Szene rund um Schöpfung, Wiedergeburt und den täglichen Sonnenaufgang – nicht den Bauplan einer antiken Glühbirne.

Übersetzungen der Hieroglyphen eines der bekanntesten Dendera Glühlampen Reliefs.

Lage der Reliefs in Dendera.

Grundriss des Hathor-Tempels in Dendera und die Lage der Krypta 4 im Mauerwerk des Tempels.

Seitenansicht des Hathor-Tempels mit der Krypta 4 in der sich die Reliefs befinden.

Literatur und Quellen:

 

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