Die Akropolis von Baalbek erhebt sich 1.400 Meter über dem Meeresspiegel und dominiert die Bekaa-Ebene im heutigen Libanon. War dieser Ort einst ein kosmischer Landeplatz der legendären Anunnaki – auf dem Weg zu den Pyramiden von Gizeh?

<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Baalbek_Baccustempel.jpg">Jan Hilgers</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons
Jan Hilgers, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Prä-Astronautik These: Baalbek ein Landeplatz der Götter

Erich von Däniken

Erich von Däniken lenkte in seinem Werk Erinnerungen an die Zukunft erstmals die Aufmerksamkeit auf eine These des russischen Forschers Matest Agrest. Agrest vermutete, dass die gewaltige Steinterrasse von Baalbek eine antike Landeplattform für außerirdische Besucher sein könnte. Die Blöcke messen über 20 Meter in der Seitenlänge und wiegen bis zu 2.000 Tonnen.

Däniken schrieb hierzu:


„Nördlich von Damaskus liegt die Terrasse von Baalbek: eine Plattform, die aus Steinblöcken gebaut ist, von denen einige über 20 Meter Seitenlänge haben und fast 2000 Tonnen wiegen. … Der russische Professor Agrest hält es für möglich, dass es sich bei den Resten der Terrasse um Überbleibsel einer riesigen Landefläche handeln kann.“
(Erinnerungen an die Zukunft, 1968)

Däniken stellt die Frage: Hätten römische Sklaven mit bekannten Techniken diese Blöcke bewegen können? Er zweifelt daran – und sieht Hinweise auf eine uns unbekannte Technologie.

Sitchin und die Anunnaki

Zecharia Sitchin erweiterte die Hypothese. Er postulierte eine zyklopische Plattform, die lange vor den Römern bestand und von diesen nur als Fundament genutzt wurde:


„Sie – die Tempel von Baalbek (Heliopolis) – war ein Landeplatz der Anunnaki, der Sage nach in vorsintflutlichen Tagen erbaut, zur Zeit Adams.“
(Die Kriege der Menschen und Götter, 2004)

Als Sohn der Göttin Ninsun und Hohepriester von Uruk galt Gilgamesch nicht nur als Halbgott, sondern als „zu zwei Dritteln göttlich“. Dies, so behauptete er, berechtige ihn, dem Tod eines Sterblichen zu entgehen. Ja, sagte ihm seine Mutter, aber um unser hohes Alter zu erreichen, müsse man zu unserem Planeten Nibiru reisen (wo ein Jahr 3.600 Erdenjahren entspricht). Also reiste Gilgamesch von Sumer (dem heutigen Südirak) zum „Landeplatz“ in den Zedernbergen, wo die Raketenschiffe der Götter starteten. Das Gilgamesch-Epos, ein auf Tontafeln gefundener Text, beschreibt, wie Gilgamesch Zeuge des Starts einer Rakete vom Landeplatz wurde. Eine spätere phönizische Münze zeigt eine solche Rakete auf einer Startrampe
(aus dem Englischen übersetzt https://www.sitchin.com/landplace.htm)

Münze von Byblos mit einer Darstellung des Tempels und des Bätyls der Aphrodite
Münze von Byblos mit einer Darstellung des Tempels des Bätyls und der Aphrodite, von Sitchin als Startrampe für eine Rakete gesehen.

 

Sitchin verknüpfte Baalbek mit dem Gilgamesch-Epos. Demnach reiste der Halbgott Gilgamesch von Sumer in die Zedernberge – zum „Landeplatz“, von dem die Raumschiffe der Götter starteten. Eine phönizische Münze aus Byblos zeigt nach Sitchins Interpretation eine Rakete auf einer Startrampe.

Sitchin argumentierte zudem, dass Baalbek nach der Sintflut als Ersatz für zerstörte mesopotamische Landeplätze diente – als Verbindungspunkt zwischen dem Ararat und den Pyramiden von Gizeh.

Die Trillithon in Baalbek an der Westmauer des Jupitertempels. Im Verhältnis zu einem Menschen William Henry Goodyear, Public Domain, via Wikimedia Commons

Heutzutage können Besucher die monumentalen Trillithon-Blöcke, die Teil dieser Plattform sind, im Norden und Westen der Anlage bestaunen. Die schiere Größe und Präzision dieser Megalithen bleibt ein archäologisches Mysterium und bietet weiterhin reichlich Stoff für Spekulationen über ihren Ursprung und Zweck.

 

 

 

 

Klassische Erklärung

Die Akropolis von Baalbek liegt am östlichen Rand der Bekaa-Ebene, dem fruchtbarsten Gebiet des Libanon. Nordwestlich vom Zentrum der heutigen Stadt Baalbek (Baʿlabakk) aus gesehen, erhebt sich ein Siedlungstell, der, so zeigen Ausgrabungen aus dem Jahre 2004 bis in das Neolithikum zurückreicht1

Die Annahme, dass die Tempelplattform bedeutend älter ist als der römische Tempelbau, geht auf den sowjetisch-russischen Mathematiker Matest M. Agrest zurück. Er interpretierte höchstwahrscheinlich fotografisches Material von unbehauenen Steinsetzungen an der Nordseite der Plattform als Überreste einer prähistorischen Megalithstruktur. Zudem kannte er die Reiseberichte von de Saulcy 2 und Renan 3, die die Bauwerke, insbesondere die Mauer, als prähistorisch bezeichneten. Diese Ideen übernahm Zecharia Sitchin weitgehend, ohne sie methodisch zu überprüfen. In Wahrheit zeigen archäologische Untersuchungen, dass die Plattform kein monumentaler Monolith, sondern ein aus römischem Mauerwerk errichtetes Fundament ist. Unterhalb verlaufen Tunnel und Hohlräume typischer römischer Bauweise, die heute als Museum genutzt werden.

Die riesigen Monolithen, die noch unfertig in den Steinbrüchen liegen, gehörten auch zu einer geplanten Erweiterung der Plattform, die im Zuge der Christianisierung aber nicht mehr zu Ende geführt wurde. Ähnlich große Steine wurden in der Zeit des römischen Monumentalbaus überall verwendet. Bekannt ist hier auch der Weststein im Klagemauertunnel oder die riesigen Säulen im Hafentempel von Xanten. Der Transport scheint die Römer nicht vor Probleme gestellt zu haben. Wenn man sich, die großen Steine im Bacchus-Tempel ansieht, die scheinbar über dem Eingangsportal schweben und ihrerseits jeweils um die 300t, wiegen und klar als römisch zu erkennen sind, sollte man sich eher fragen, wie die Römer diese Steine in diese Höhe gebracht haben und diese dann auch noch frei schwebend einzubauen. 

 

Der sogenannte "Stein der schwangeren Frau" an seiner Fundstelle im Steinbruch. Im Hintergrund sieht man den Rest des Jupitertempels aufragen. Matson Collection, Public domain, via Wikimedia Commons
Der sogenannte „Stein der schwangeren Frau“ an seiner Fundstelle im Steinbruch. Im Hintergrund sieht man den Rest des Jupitertempels aufragen. Matson Collection, Public domain, via Wikimedia Commons

 

Baalbek „megalithische“ Strukturen. Lodo27 from Moscow, Russia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
File:Temple of Jupiter, North wall, Baalbek 20232.JPG
„Zyklopische / Megalithische Plattform“ von oben gesehen Lodo27 from Moscow, Russia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

 

Der Weststein, 510 Tonnen schwer, im Klagemauertunnel in Jerusalem <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Western_Stone_by_David_Shankbone.jpg">David Shankbone</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons
Der Weststein, 510 Tonnen schwer, im Klagemauertunnel in Jerusalem David Shankbone, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

 

Xanten APX Hafentempel <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Xanten_APX_Hafentempel.JPG">Hoyti002 at nl.wikipedia</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons
Xanten APX Hafentempel Hoyti002 at nl.wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

 

Innenaufnahme des Bacchustempels mit dem schwebenden Stein. <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Interior_of_the_so-called_Temple_of_Bacchus,_Heliopolis_(Baalbek),_Lebanon_-_49589168847.jpg">Carole Raddato</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0">CC BY-SA 2.0</a>, via Wikimedia Commons
Innenaufnahme des Bacchus Tempels mit dem „schwebenden“ Stein. Carole Raddato, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Fazit

Baalbek bleibt ein archäologisches Faszinosum. Die Prä-Astronautik-Hypothesen von Agrest, Däniken und Sitchin haben die Begeisterung für diesen Ort weltweit befeuert. Die Wissenschaft hingegen sieht in den Megalithen das Ergebnis römischer Ingenieurskunst – beeindruckend, aber irdisch.

Quellenverzeichnis:


  1. van Ess, Margarete/Rheidt,  Klaus (Hrsg.) Baalbek – Heliopolis – 10 000 Jahre Stadtgeschichte, Darmstadt 2014. 

  2. Reise von 1863: Während dieser Reise beschreibt Saulcy seine Eindrücke kurz. Er erwähnt „riesige Blöcke“, „primitive Gewölbe“, „Spuren eines früheren Tempels“ und „arabische Gräber in den Mauern“. 

  3. Renan besuchte Baalbek während einer seiner Exkursionen im Juni 1861. Er stellt fest, dass bestimmte Teile von Baalbek im „Bossenwerk“-Stil (pierre à bossage) erbaut wurden, was er als Merkmal des Mittelalters und der Kreuzfahrerzeit betrachtet. Er betont jedoch, dass dieser Baustil nicht in dem Teil der Anlage zu finden ist, den man als den ältesten ansehen könnte. Dies deutet für ihn klar auf unterschiedliche Bauperioden hin. Die Haupttempelanlage, insbesondere der Jupiter-Tempel, ordnet er der römischen Zeit zu. Er äußert auch sein besonderes Erstaunen über die Trilithon, die er für die größten hält, die je von Menschen bewegt wurden. Er vermutet, dass die Verwendung solch gewaltige Monolithen auf eine ältere, nicht-römische Bautradition oder zumindest eine starke lokale Beeinflussung der römischen Bauherren hindeutet. Er warnt aber davor, allein aus der Größe der Steine auf ein sehr hohes, vorrömisches Alter zu schließen. Als Gegenargument führt er an, dass die Ecksteine des nachweislich römischen Jupiter-Tempels und selbst die des als dekadent eingestuften Rundtempels ebenfalls von enormer Größe sind.