Die Akropolis von Baalbek erhebt sich 1.400 Meter über dem Meeresspiegel und dominiert die Bekaa-Ebene im heutigen Libanon. War dieser Ort einst ein kosmischer Landeplatz der legendären Anunnaki – auf dem Weg zu den Pyramiden von Gizeh?

Prä-Astronautik These: Baalbek – ein Landeplatz der Götter
Erich von Däniken
Erich von Däniken lenkte in seinem Werk Erinnerungen an die Zukunft erstmals die Aufmerksamkeit auf eine These des russischen Forschers Matest Agrest. Agrest vermutete, dass die gewaltige Steinterrasse von Baalbek eine antike Landeplattform für außerirdische Besucher sein könnte. Die Blöcke messen über 20 Meter in der Seitenlänge und wiegen bis zu 2000 Tonnen.
Däniken schrieb hierzu:
„Nördlich von Damaskus liegt die Terrasse von Baalbek: eine Plattform, die aus Steinblöcken gebaut ist, von denen einige über 20 Meter Seitenlänge haben und fast 2000 Tonnen wiegen. … Der russische Professor Agrest hält es für möglich, dass es sich bei den Resten der Terrasse um Überbleibsel einer riesigen Landefläche handeln kann.“
(Erinnerungen an die Zukunft, 1968)
Däniken stellt die zentrale Frage: Hätten römische Sklaven diese Blöcke mit bekannten Techniken bewegen können? Er zweifelt daran und sieht Hinweise auf eine uns unbekannte Technologie.
Sitchin und die Anunnaki
Zecharia Sitchin erweiterte die Hypothese erheblich. Er postulierte eine zyklopische Plattform, die lange vor den Römern bestand. Die Römer hätten sie lediglich als Fundament genutzt. Sitchin schrieb:
„Sie – die Tempel von Baalbek (Heliopolis) – war ein Landeplatz der Anunnaki, der Sage nach in vorsintflutlichen Tagen erbaut, zur Zeit Adams.“
(Die Kriege der Menschen und Götter, 2004)Als Sohn der Göttin Ninsun und Hohepriester von Uruk galt Gilgamesch nicht nur als Halbgott, sondern als „zu zwei Dritteln göttlich“. Dies, so behauptete er, berechtige ihn, dem Tod eines Sterblichen zu entgehen. Ja, sagte ihm seine Mutter, aber um unser hohes Alter zu erreichen, müsse man zu unserem Planeten Nibiru reisen (wo ein Jahr 3.600 Erdenjahren entspricht). Also reiste Gilgamesch von Sumer (dem heutigen Südirak) zum „Landeplatz“ in den Zedernbergen, wo die Raketenschiffe der Götter starteten. Das Gilgamesch-Epos, ein auf Tontafeln gefundenes Werk, beschreibt, wie Gilgamesch Zeuge des Starts einer Rakete vom Landeplatz wurde. Eine spätere phönizische Münze zeigt eine solche Rakete auf einer Startrampe
(aus dem Englischen übersetzt https://www.sitchin.com/landplace.htm)

Sitchin argumentierte zudem, dass Baalbek nach der Sintflut als Ersatz für zerstörte mesopotamische Landeplätze diente. Der Ort habe als Verbindungspunkt zwischen dem Ararat und den Pyramiden von Gizeh fungiert.

Heutzutage können Besucher die monumentalen Trillithon-Blöcke im Norden und Westen der Anlage bestaunen. Die schiere Größe und Präzision dieser Megalithen bleibt ein archäologisches Mysterium und bietet weiterhin reichlich Stoff für Spekulationen über ihren Ursprung und Zweck.

Klassische Erklärung
Die Akropolis von Baalbek liegt am östlichen Rand der Bekaa-Ebene, dem fruchtbarsten Gebiet des Libanon. Nordwestlich vom Zentrum der heutigen Stadt Baalbek (Baʿlabakk) aus gesehen, erhebt sich ein Siedlungshügel, nach Ausgrabungen aus dem Jahre 2004 bis in das Neolithikum zurückreicht [1]
Die Geschichte der Ufoplattform.
Die Annahme, dass die Tempelplattform bedeutend älter ist als der römische Tempelbau, geht auf den sowjetisch-russischen Mathematiker Matest M. Agrest zurück. Er interpretierte fotografisches Material von unbehauenen Steinsetzungen an der Nordseite der Plattform als Überreste einer prähistorischen Megalithstruktur. Zudem kannte er die Reiseberichte von de Saulcy [2] und Renan [3], die diese Mauern bereits als prähistorisch bezeichnet hatten. Zecharia Sitchin übernahm diese Ideen weitgehend, ohne sie methodisch zu überprüfen.
Archäologische Untersuchungen zeigen jedoch ein anderes Bild: Die Plattform ist kein monumentaler Monolith, sondern ein aus römischem Mauerwerk errichtetes Fundament. Unterhalb verlaufen Tunnel und Hohlräume in typischer römischer Bauweise, die heute als Museum genutzt werden.
Die riesigen Monolithen, die noch unfertig in den Steinbrüchen liegen, gehörten zu einer geplanten Erweiterung der Plattform. Die einsetzende Christianisierung verhinderte ihre Fertigstellung. Ähnlich große Steine wurden im römischen Monumentalbau regelmäßig verwendet – bekannte Beispiele sind der Weststein im Klagemauertunnel in Jerusalem (510 Tonnen) oder die gewaltigen Säulen im Hafentempel von Xanten. Der Transport stellte die Römer offenkundig nicht vor unlösbare Probleme. Die klar als römisch erkennbaren Steine im Bacchustempel, die scheinbar über dem Eingangsportal schweben und jeweils um die 300 Tonnen wiegen, belegen die römische Fähigkeit, derartige Lasten zu bewegen.




Fazit
Die Prä-Astronautik-Hypothesen von Agrest, Däniken und Sitchin haben die weltweite Faszination für Baalbek zweifellos befeuert. Wissenschaftlich betrachtet beruhen sie jedoch auf einer Kette methodischer Probleme. Agrest interpretierte Fotomaterial ohne stratigrafischen Kontext. Sitchin übernahm diese Deutung, ohne archäologische Primärquellen zu prüfen. Beide ignorierten dabei die umfangreiche römerzeitliche Bautechnik, die solche Bauleistungen plausibel erklärt.
Die Archäologie zeigt eindeutig: Die Plattform entstand in römischer Zeit, in Schichten nachweisbar und bautechnisch konsistent. Vergleichbare Megalithbauwerke aus derselben Epoche – Jerusalem, Xanten, Baalbek selbst – belegen, dass weder übernatürliche Helfer noch außerirdische Technologie nötig waren. Römische Ingenieure beherrschten Hebelkonstruktionen, Rampen, Schlitten und den koordinierten Einsatz großer Arbeitskräfte.
Gleichzeitig wäre es wissenschaftlich unredlich, alle offenen Fragen als gelöst zu betrachten. Der genaue Transportweg einiger Megablöcke vom Steinbruch zur Plattform ist nicht lückenlos rekonstruiert. Experimentelle Archäologie und neue Computersimulationen liefern hier weiterhin wichtige Erkenntnisse. Baalbek bleibt damit ein legitimes Forschungsfeld – nicht wegen seiner angeblichen außerirdischen Herkunft, sondern wegen der außergewöhnlichen Leistung, die Menschen in der Antike dort vollbrachten.
Quellenverzeichnis:
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- Saulcy, Louis Félicien: Carnets de voyage en Orient, 1845-1869 https://archive.org/details/carnetsdevoyagee0000saul/
- Renan, Ernest: Mission de Phénicie. Paris: Imprimerie Impériale (1864–1874). https://archive.org/details/gri_33125008536167 und https://archive.org/details/gri_33125008536233
- Lohmann, Daniel: Das Heiligtum des Jupiter Heliopolitanus in Baalbek; Die Planungs- und Baugeschichte. Leidorf, 2017. S.13
- Wiegand, Theodor: Baalbek; Ergebnisse der Ausgrabungen und Untersuchungen in den Jahren 1898 bis 1905 https://archive.org/details/gri_33125008088375
- van Ess, Margarete; Rheidt, Klaus (Hrsg.): Baalbek – Heliopolis – 10 000 Jahre Stadtgeschichte, Darmstadt 2014.
- von Däniken, Erich: Erinnerungen an die Zukunft, 1968.
- Sitchin, Zecharia: Die Kriege der Menschen und Götter, 2004
- ↩van Ess, Margarete/Rheidt, Klaus (Hrsg.) Baalbek – Heliopolis – 10 000 Jahre Stadtgeschichte, Darmstadt 2014.
- ↩Reise von 1863: Während dieser Reise beschreibt Saulcy seine Eindrücke kurz, er erwähnt »riesige Blöcke«, »primitive Gewölbe«, »Spuren eines früheren Tempels« und »arabische Gräber in den Mauern«.
- ↩Renan besuchte Baalbek im Juni 1861 während einer seiner Exkursionen. Er beobachtete, dass bestimmte Teile der Anlage im sogenannten »Bossenwerk«-Stil (pierre à bossage) errichtet wurden – ein Merkmal, das er der mittelalterlichen und kreuzzeitlichen Baupraxis zuordnete. Ausdrücklich hält er jedoch fest, dass dieser Stil gerade in den ältesten Bereichen der Anlage fehlt. Daraus schlussfolgert er unterschiedliche Bauperioden. Die Haupttempelanlage, insbesondere den Jupitertempel, datiert er in die römische Zeit.
Besonderes Erstaunen äußert Renan über die Trilithon-Blöcke, die er für die größten hält, die je von Menschen bewegt wurden. Er erwägt, ob deren außergewöhnliche Dimensionen auf eine ältere, nicht-römische Bautradition hinweisen – oder zumindest auf eine starke lokale Beeinflussung der römischen Bauherren. Zugleich warnt er davor, allein aus der Größe der Steine auf ein vorrömisches Alter zu schließen. Als Gegenargument verweist er darauf, dass die Ecksteine des nachweislich römischen Jupitertempels sowie des als spätzeitlich eingestuften Rundtempels ebenfalls von enormen Ausmaßen sind.
