Am Paluxy River im Dinosaur Valley State Park in Texas, USA, findet sich eine der reichhaltigsten Sammlungen fossiler Dinosauriertrittsiegel weltweit. In denselben geologischen Schichten stoßen Besucher jedoch auch auf Spuren, die menschlichen Fußabdrücken ähneln. Für einige Kreise gelten sie als Beweis gegen die Evolutionstheorie – und im Paläo-SETI-Umfeld als Hinweis auf außerirdische Einflüsse in der Urzeit.
Mensch und Dinosaurier zur gleichen Zeit?
Die kreationistische Interpretation
Seit dem erstmaligen Fund vermeintlich menschlicher Fußspuren neben Dinosauriertrittsiegeln im Jahr 1908 tauchen ähnliche Berichte in verschiedenen Kreideformationen immer wieder auf. Besonders in den 1970er Jahren nutzten kreationistische Organisationen – darunter die Bibel-Science-Association (BSA) und das Institute for Creation Research (ICR) – die Paluxy-Spuren regelmäßig als Argument gegen die Evolutionstheorie.
Inzwischen hat sich das Bild innerhalb des Kreationismus gewandelt. Die wissenschaftlichen Belege für den dinosaurischen Ursprung der Spuren werden selbst von amerikanischen und deutschen Kreationisten mehrheitlich als überzeugend anerkannt. Nur noch eine Minderheit zieht die Spuren als Argument heran. Hinzu kommt ein grundsätzliches logisches Problem: Die Evolutionstheorie schließt eine zeitgleiche Existenz von Menschen und Dinosauriern ohnehin nicht prinzipiell aus.
Im Paläo-SETI-Umfeld werden die Spuren anders gedeutet. Dort gilt die angebliche Gleichzeitigkeit von Sauriern und menschenartigen Wesen als Beleg für die Präsenz außerirdisch geprägter Kulturen auf der Erde in der Urzeit. Diese Interpretation ignoriert jedoch die eindeutigen paläontologischen Befunde.
Die Funde aus Sicht der Paläontologie
In der Wissenschaft besteht kein Zweifel: Die fraglichen Spuren stammen von Dinosauriern. Entscheidende Hinweise lieferte die sogenannte Taylor Site. Dort zeigen die Spuren nicht nur durch ihre Topografie, sondern auch durch blaugraue bis rostrote Verfärbungen deutlich die Zehenstruktur eines dreizehigen Dinosauriers. Die Forscher Kuban und Hastings führten diese Verfärbungen auf Sedimentfüllungen zurück, die kurz nach der Spurenbildung in die Abdrücke eindrangen. Je mehr dieses Sediment heute aus den Spuren herauswittert, desto klarer tritt die ursprüngliche Saurierform wieder zutage.
Vergleichbare Befunde tauchten auch außerhalb des Paluxy-Gebiets auf: Saurierarten als Sohlengänger sowie Spuren mit ähnlichen charakteristischen Sedimentverfüllungen wurden andernorts dokumentiert. Diese Funde bestätigen zudem eine bislang wenig bekannte Erkenntnis: Manche Dinosaurier gingen nicht ausschließlich auf den Zehen, sondern setzten zumindest zeitweise den gesamten Fuß inklusive Sohle und Ferse auf. Einige Spezies wechselten ihre Gehweise sogar innerhalb einer einzigen Spursequenz. Dies erklärt auch frühere Berichte über sogenannte „Riesenspuren“.
Ansonsten deuten die Spurenmuster nach Thomas & Farlow möglicherweise auf Jagdszenen hin. Datiert werden die Abdrücke in der Glen-Rose-Formation (Unterkreide) an die Grenze vom Aptium zum Albium – mit einem Alter von rund 113 Millionen Jahren.
Literatur
- Bergan, G. R,. Pittman, J.G. (Hrsg) (1990): Nearshore Clastic Carbonate Facies and Dinosaur Trackways in the Glen Rose Formation (Lower Cretaceous) of Central Texas. GSA Field Trip #8, The Dallas Geological Society, Dallas, Texas.
- Hastings, Ronnie J, (1987): New Observations on Paluxy Tracks Confirm Their Dinosaurian Origin. Journal of Geological Education, Vol. 35, No. 1, pp. 4-15.
- Kuban, G. J.: (1986a): Elongate Dinosaur Tracks. In Gillette, David D. and Martin G. Lockley, (Hrsg.): Dinosaur Tracks and Traces, 1989, Cambridge University Press, pp. 57-72
- Kuban, G. J. (1986b): Color Distinctions and Other Curious Features of Dinosaur Tracks Near Glen Rose, Texas. In: Gillette, David D. and Martin Lockley, eds., Dinosaur Tracks and Traces, 1989, Cambridge Univ. Press, p. 427-440
- Scherer, S., Wiskin, R. (1986): „Menschliche“ Fußabdrücke in der Kreide: Ein Lehrstück für die Schöpfungsforschung. W+W Diskussionsbeitrag 1/86, Baiersbronn.
- Thomas, D.A,, Farlow, J.O. (1998): Spuren einer Dinosaurierjagd. Spektrum d. Wissenschaft, 2/98, S. 86 – 91.
- Keith Young, Lower Albian and Aptian (Cretaceous) Ammonites of Texas, Geoscience and Man, Vol. VIII (1974)
- Bergan, Gail R, and Jeffrey G. Pittman, eds., 1990, Nearshore Clastic Carbonate Facies and Dinosaur Trackways in the Glen Rose Formation (Lower Cretaceous) of Central Texas. GSA Field Trip #8, The Dallas Geological Society, Dallas, Texas.
- Burdick, Clifford C., 1950, When Giants Roamed the Earth. Signs of the Times, July 25, S. 6, 9.
- Dougherty, Cecil N., 1979 (sixth edition), Valley of the Giants, Bennett printing Company, Cleburne, TX.
- Ernest Wilder-Smith: Herkunft und Zukunft des Menschen. Ein kritischer Überblick über die dem Darwinismus und Christentum zugrunde liehenden naturwissenschaftlichen und geistlichen Prinzipien (= Telos-Taschenbuch, Band 106), Evangelischer Schriftenverlag Schwengeler, 2. Auflage Heerbrugg 1975, ISBN 37751-0070-9, S. 119–123
- Baugh, Carl, 1982, Enemies Survived Together for A While (video Tape), Creation Evidences Museum, Glen Rose, TX
- Helfinstine, Robert F., and Jerry D. Roth, 1994, Texas Tracks and Artifacts.: Do Texas Fossils Indicate Coexistence of Men and Dinosaurs? S. 109
Weblinks
„Menschliche“ Fußabdrücke in der Kreide: Ein Lehrstück für die Schöpfungsforschung (PDF-Datei; 193 kB)
The Paluxy Dinosaur/“Man Track“ Controversy by Glen Kuban
