Die größten Pyramiden, die Pyramiden von Bosnien liegen in der Stadt Visoco. Hier finden sich 5 Pyramiden, von ihrem Entdecker, als Pyramide der Sonne, der Pyramide des Mondes, Pyramide des Drachens und die Pyramide der Liebe bezeichnet. Laut ihrem Entdecker Sam Osmanagich (bos. Semir Osmanagić) wurden die Pyramiden von den Illyrern vor 12.000 Jahren, also vor dem Ende der letzten Eiszeit, erbaut.
Ungefähre Position der „Pyramiden“ nach Osmanagić
Die Bosnischen Pyramiden – Mysteriöse Bauwerke oder geologische Formationen?
In der Stadt Visoko, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Sarajevo, erhebt sich ein geologisches Rätsel, das Wissenschaftler und Altertumsinteressierte gleichermaßen beschäftigt. Der bosnische Autor und Forscher Semir Osmanagić identifizierte dort fünf pyramidenförmige Strukturen: die Pyramide der Sonne, die Pyramide des Mondes, die Pyramide des Drachen, die Pyramide der Erde und die Pyramide der Liebe. Nach seiner Behauptung errichteten die Illyrer diese Strukturen vor rund 12.000 Jahren – gegen Ende der letzten Eiszeit.
Osmanagić geht noch weiter: Er sieht die Illyrer als Nachfahren der legendären Zivilisationen Atlantis und Lemuria und behauptet, dass dieselbe Kultur weltweit Pyramiden errichtet habe. Die Pyramide der Sonne, mit einer angeblichen Höhe von 220 Metern, bezeichnet er als die „Mutter aller Pyramiden“. Diese Thesen lösten international hitzige Debatten über Archäologie, alternative Geschichte und Pseudowissenschaft aus.
Die geologische Erklärung
Pyramidenförmige Hügel sind weltweit keine Seltenheit. Erosion und tektonische Prozesse formen Sedimentgesteine regelmäßig in kantige, annähernd symmetrische Strukturen. Geologische Untersuchungen zeigen, dass die Hügel um Visoko hauptsächlich aus Brekzie und anderen Sedimentgesteinen bestehen. Bei oberflächlicher Betrachtung können diese Formationen tatsächlich den Eindruck künstlich bearbeiteter Strukturen erwecken.
Der Wissenschaftsjournalist John Bohannon untersuchte die Stätte und veröffentlichte seine Ergebnisse 2006 in der Fachzeitschrift Science. Er kommt darin zu dem Schluss, dass die Tunnel und Mauern rund um die Hügel wahrscheinlich Überreste alter Minen oder mittelalterlicher Wasserbecken sind. Zudem beschreibt Bohannon, dass die wissenschaftlichen Untersuchungen wiederholt mit unlauteren Methoden konfrontiert wurden.
Die Kontroverse um die bosnischen Pyramiden
Die unkontrollierten Grabungen Osmanagićs riefen rasch internationalen Protest hervor. Namhafte Archäologen und Forscher warnten, dass echte historische Überreste – darunter neolithische und mittelalterliche Kulturspuren – durch die Arbeiten unwiederbringlich beschädigt werden könnten. 2006 richteten zahlreiche Unterzeichner einen Protestbrief an die UNESCO, um auf die Gefährdung des bosnischen Kulturerbes hinzuweisen.
Die Archäologin Silvana Cobanov berichtete nach Ausgrabungen in der Region Plješivica im selben Jahr, dass die Grabungsleitung häufig in den Händen fachfremder Personen lag – darunter der Maschinenbauingenieur Goran Čakić. Funde wurden demnach vorschnell als prähistorische Artefakte oder Pyramideneingänge deklariert, ohne ausreichende Belege vorzulegen.
2012 untersuchten die Geologen Dougal Jerram und Henry J. Chapman das Gebiet unabhängig voneinander. Ihr Befund war eindeutig: Die Formationen bestehen ausschließlich aus Sedimentgesteinen, die über Millionen von Jahren entstanden sind. Archäologische Belege für künstliche Pyramidenstrukturen fanden sie keine. Stattdessen dokumentierten sie Anzeichen für schlechte Grabungspraxis, die möglicherweise historische Spuren zerstört hat.
Kuriosa:
2008 reichte ein Blogger unter dem Pseudonym Izmo Guglić bewusst gefälschte pseudowissenschaftliche Artikel auf Osmanagićs Website ein. Er gab später zu, dass es sich um einen Scherz handelte – die Texte blieben dennoch online. Dieser Vorfall befeuerte die Kritik an der Seriosität des gesamten Projekts.
Bemerkenswert ist auch die Einschätzung des Geologen Robert Schoch, der durch seine eigene, wissenschaftlich umstrittene Neudatierung der Sphinx bekannt wurde und der Pseudowissenschaft gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen gilt. Selbst er attestierte in der esoterischen Zeitschrift Sub Rosa, dass es sich bei den bosnischen Pyramiden lediglich um geologische Formationen handele.
Ein weiteres Beispiel für die fehlerhafte Interpretation natürlicher Strukturen zeigt ein häufig zitiertes Foto, das angebliches Gehwegpflaster darstellen soll. Die parallelen Kanten und die über mehrere Steine hinweg durchlaufenden Strukturen – erkennbar etwa an gleichmäßigen Linien, die Steingrenzen ignorieren – weisen eindeutig auf eine durch eiszeitliche Bewegungen zerbrochene Sandsteinplatte hin, nicht auf menschliche Bearbeitung.


