Glozel, Urkultur oder Hoax

Fundgeschichte

 Glozel, Bourbonnaise liegt in der Nähe der Stadt Ferrieres / Sichone im Departement Allier etwa zwanzig Kilometer südöstlich von Vichy entfernt. 

Am 1. März 1924, fanden der junger Bauer Emile Fradin zusammen mit seinem Großvater zufällig beim Pflügen eine Grube auf dem Acker. Bei näherer Überprüfung fanden sie in dem Loch ein paar menschliche Knochen und Tonscherben. In dem Glauben einen Schatz gefunden zu haben, graben sie mit Hacken und Schaufel weiter. Sie förderten weitere Knochen und Urnen zutage. Doch in den Urnen befand sich aber nur Erde. Enttäuscht gruben sie das Loch wieder zu und sähen Hafer darüber, nichts ahnend, dass sie einen der kontroversesten Funde Frankreichs gemacht hatten.

Erst der Arzt Antonin Morlet, ein archäologiebegeisterter Laie, erwirbt die ausgegrabenen Stücke und sichert sich in Paris das alleinige Recht auf diesen Fund.

13 Monate später erscheint die erste Publikation zu den wunderlichen Funden, die hunderte Tontafeln mit einer unbekannten Schrift enthalten, aber auch Skulpturen und Knochenritzungen aus der Steinzeit, so wie der Bronze und Eisenzeit.

In der Prä-Astronautik wird Glozel immer wieder diskutiert, da einige Autoren der Meinung sind, dass die Schriftzeichen eine 7000 Jahre alte proto-Sanskrit Schrift darstellen und daher in eine Reihe mit den Funden von Burrows Cave, der Metallbibliothek von Crespi und Malta zu sehen sind12.

Laut dieser Übersetzungen berichten diese Schriftzeichen je nach Übersetzer von einer Urkultur die aus Atlantis floh oder von einer außerirdischen Rasse, die auf der Erde gestrandet ist. Bis heute jedoch konnte keiner der Übersetzer einen schlüssigen Nachweis seiner Übersetzung bringen.

 

Klassische Erklärung

Datierung mittels C14 und dem Thermolumineszenzverfahren attestierten den Funden von Glozel ein hohes Alter. Jedoch datieren die Knochen in die Neuzeit, das ausgehende Mittelalter oder die Latenezeit3 während die Keramik sogar auf das 20. Jhd datiert4.

Nachgrabungen im Jahre 1927 ergaben, dass viele Funde vorsätzlich dort vergraben wurden und genaue Analysen ergaben, dass viele der Keramikscherben sehr geschickt gefälscht waren5.

Interessant sind in diesem Zusammenhang die Knochenartefakte. Diese stammen laut C14 Datierungen alle aus dem Mittelalter oder keltischer Zeit, sie zeigen aber interessanter Weise steinzeitliche Motive, wie sie gerade am Anfang des 20. Jhd oft gefunden wurden, wie die Tabelle zeigt:

 

Glozel

Vergleichsfund

Steinidol aus Glozel

Steinidol aus Lepenski Vir

Knochenritzung eines Rentiers? aus Glotzel. Interessant ist hier, dass die Verzierung über die angebliche Bruchstelle, wo der Rest des Rentieres sein müsste hinausgehen.

Knochenriitzung Rentier aus La Vache

Knochenritzung Hirsch aus Glozel. Im erhabenen Relief gearbeitet und geschwärzt für bessere Sichtbarkeit?

Ritzungen auf einem Rentiergeweih aus Lorthet.

Schrifttafel aus Glozel

Keilschrifttafel

Fazit

Es ist nach fast 100 Jahren seit der Entdeckung von Glozel immer noch nicht möglich, eine eindeutige Aussage zu treffen. Am wahrscheinlichsten ist es jedoch, dass der Fundplatz eines mittelalterlichen Grabes oder Hortfundes nachträglich aufgepeppt wurde, um dem Fund so mehr Gewicht zu verleihen. Dies war in der damaligen Zeit durchaus üblich, wie uns die Fälschungen von Flint Jack und andere beweisen6. Daraus resultiert die Ähnlichkeit zu anderen, damals berühmten Artefakten und das die weit auseinanderliegenden Datierungen.

Literatur

  • Bahn, P. G., & Vertut, J. (1997). Journey through the ice age.
  • Gerard, A. (2005). Glozel: Bones of contention. New York: iUniverse.
  • McKerrell, H.V., Mejdahl, V., Franois, H. & Portal, G: Thermoluminescence and Glozel: a plea for patience. Antiquity 49(196), p267-p272, New York 1975.
  • Bürgin, L. (1998). Geheimakte Archäologie: Unterdrückte Entdeckungen, verschollene Schätze, bizarre Funde. München: Bettendorf.
  • Zillmer, H.-J. (2004). Kolumbus kam als Letzter: Als Grönland grün war ; wie Kelten und Wikinger Amerika besiedelten ; Fakten, Funde, neue Theorien.
  •   Bahn, P. G., & Vertut, J. (1997). Journey through the Ice Age: Art of the Ice Age. London: Seven Dials.
  • Schildmann, K. (1999). Als das Raumschiff „Athena“ die Erde kippte: Indus-, Burrows-Cave- und Glozel-Texte entziffert.
  • Zeitlmair, H. (2002). Die Säulen von Atlantis – Malta: Handschrift einer verschwundenen Hochkultur. Groß-Gerau: Ancient-Mail-Verl.

Siehe auch:

Die Silverbell-Artefakte

 Links

http://www.glozel.net/

http://www.efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/andere/2001_glozel.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Glozel

https://en.wikipedia.org/wiki/Glozel_artifacts


  1. Als das Raumschiff „Athena“ die Erde kippte, Kurt Schildmann 

  2. Die Säulen von Atlantis, Hubert Zeitlmair  

  3. Glozel: Bones of Contention, Alice Gerard 

  4. Thermoluminescence and Glozel: a plea for patience. McKerrell, H.V., Mejdahl, V., Franois, H. & Portal, G. 

  5. Glozel, Ein Sachverständigen-Gutachten 

  6. Journey Through the Ice Age, Paul G. Bahn