Eine Grabkammer, randvoll gefüllt mit giftigem Quecksilber, wie haben die Maya das nur gemacht?


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Ricardo Agurcia Fasquelle, der Direktor der Ausgrabungen des Copán-Projektes, entdeckte 1992 einen unterirdischen Tempel unter dem „Tempel Nr. 16“ in Copán. Diesen Tempel nennt man Rosalila. Darin entdeckte man einen Schacht, der noch tiefer führte. Die Ausgräber glaubten, auf das Grab des Dynastiegründers Yax K‘ uk‘ Mo gestoßen zu sein. Doch kein Ausgräber konnte das Grab betreten: Es war randvoll mit hochgiftigem Quecksilber!

Erich von Däniken schreibt dazu in seinem Buch „Die Götter waren Astronauten“ und auch ganz ähnlich in „Was ist falsch im Mayaland“ und „Neugierde verboten“

…kein Ausgräber konnte das Grab betreten: Es war randvoll mit hochgiftigem Quecksilber! Dämmert’s?

Inzwischen soll ein Fachmann in einem Schutzanzug in die mit Quecksilber gefüllte Gruft gestiegen sein. Dabei wurde festgestellt, dass nicht der Gründer der Dynastie im Grab lag, sondern eine Frau. Etwas tiefer unten befand sich eine weitere Kammer. Durch einen Schacht will man ein männliches Grab »mit hochwertigen Beigaben« gesehen haben…

Des Rätsels Lösung:

Die Quecksilbergruft befand sich nicht im Rosalila-Tempel, sondern weitere Ausgrabungen brachten eine weitere Struktur zum Vorschein, das sogenannte Margerita-Grabmal. Es war nicht selten, dass die Maya neue Tempel um ältere gebaut haben, die wie Zwiebeln Schicht für Schicht die jeweils älteren umschließen. Das Besondere in Copan ist jedoch, dass man den gesamten Tempel samt dem daneben liegenden Grab säuberlich konservierte und darüber erst den neuen Tempel errichtete.

Aufgrund des gefundenen Quecksilbers wird die Gruft Mercury-Cache genannt. Jedoch war die Gruft nicht randvoll mit Quecksilber gefüllt, nicht mal annähernd, sondern in einer der beiden Opferschalen fand man 300 ml flüssiges Quecksilber1. Aufgrund der schlechten Belüftung und Enge, in der man in den Schächten arbeiten musste, verschob man die Ausgrabung, um mit geeigneten Schutzanzügen zurückzukehren2). Überrascht waren die Archäologen, als man als erstes das Grab einer Frau fand und erst dahinter die Gruft des vermutlichen Dynastiegründers Yax Ku’k Mo. Däniken hat hier einfach einen Artikel von Michael Zick wiedergegeben, welcher offensichtlich die Menge des Quecksilbers etwas falsch verstanden hatte3.

Neugierig versuchen die Forscher von heute, an die Geschichte anzuknüpfen. Das beginnt mit den banal erscheinenden Fragen: Wie taten die Maya das, was sie taten? Und – natürlich: Warum taten sie es? Unter „Rosalila“ zum Beispiel haben die archäologischen Maulwürfe inzwischen den allerersten Tempel Copans angegraben. Er enthält das Grab des Dynastiegründers Yax K‘ uk‘ Mo: Kein Archäologe hat es bislang betreten – es ist randvoll mit hochgiftigem Quecksilber.

So war die Nachrichtenlage bis vor wenigen Tagen. Jetzt erreicht uns die Meldung vom neuesten Stand: Die Forscher sind mit Schutzanzügen in die quecksilbergefüllte Gruft gestiegen. Und wieder ist alles ganz anders: Es ist darin kein Mann, sondern eine Frau beigesetzt. Die Archäologen spekulieren, daß sie die Gattin des Dynastiegründers ist, denn wiederum unter dieser Beisetzung stießen sie auf ein weiteres Grab. Sie haben es noch nicht geöffnet, aber Fotos durch einen Lehmmauerspalt zeigen ein „männliches“ Grab mit hochwertigen Beigaben – nun tatsächlich die letzte Ruhestätte des ersten Königs?4

Und so wurde die mysteriöse Quecksilberkammer geboren.

Literatur


  1. Emery 2004 

  2. Expedition 42(3); Expedition 41(2 

  3. Zick 1997 

  4. Michael Zick © wissenschaft.de