Nach einer Prophezeiung sollte der Weltuntergang 2012 verhindert werden können, wenn man alle 13 Kristallschädel versammelt und zu einem Kreis oder einer Pyramide aufbaut. Diese Kristallschädel sind in verschiedenen Sammlungen und Museen verschlossen und warteten bis 2012 auf die Erfüllung ihres Schicksals.

Der Kristallschädel des Smithsonian ©smithsonianmag.com
Der Schädel des britischen Museum
Der Mitchell Hedges Schädel
Der Pariser Schädel ©wikimedia.org

Bei den Kristallschädeln handelt es sich um menschliche Totenschädel aus Bergkristall, aber auch anderen Halbedelsteinen, die von den Maya oder Azteken hergestellt wurden. Am bekanntesten ist hier der Mitchell-Hedges-Schädel, der sich in Privatbesitz befindet, aber auch die Schädel in Paris, London und New York, die jeweils in bekannten Museen stehen.

Das Besondere an diesen Schädeln ist ihre Herstellungsweise. Das Material Bergkristall gehört zu den härtesten Materialien, die es gibt, und man hat berechnet, dass das Schleifen eines solchen Totenschädels 700 Jahre für die Bearbeitungszeit dauern würde, wenn man die gefundenen Methoden der Maya anwendet. Daher wird vermutet, dass die Schädel Hinweise auf eine höhere, vielleicht auch außerirdische Technologie sind oder auf ein Geheimwissen der Maya, welches die Steine weich und formbar machte.

Der bekannteste Schädel wurde durch den Hobbyarchäologen und Abenteurer Mitchell-Hedges bei einer Ausgrabung in Südamerika gefunden, als er eine Maya Ruine untersuchte. Er gab dem Schädel den Namen »Skull of Doom« heute auch oft unter dem Namen Lubaantun-Schädel bekannt1.

Klassische Erklärung

Die berühmtesten Schädel (Mitchell-Hedges-Schädel, der Schädel aus dem Britischen Museum, der Schädel aus dem Quai-Branly-Museum in Paris und der Schädel vom Smithsonian-Institut in New York) wurden 1996 eingehend in zwei unterschiedlichen Untersuchungen überprüft2. Das Ergebnis zeigte, dass die Schädel nicht aus der Zeit der Maya oder der Azteken stammen, sondern mit neuzeitlichen Schleifscheiben mit Diamant hergestellt worden sind. Daraufhin verfolgte man den Weg der Kristallschädel zurück zu ihren Ursprüngen und fand Erstaunliches heraus. Die Schädel im britischen und französischen Museum wurden beide von demselben Kunsthändler verkauft, von Eugène Bobans, u. a. einen der Schädel 1886 an das Juweliergeschäft Tiffany & Co, von wo er seinen Weg in das britische Museum fand. Wenn man die Schädel vergleicht, fällt einem aber auf, dass der Mitchell-Hedges-Schädel eine exakte Kopie des Schädels im britischen Museum ist und wahrscheinlich bei beiden der gleiche Totenschädel als Modell gedient hatte. Also forschte man auch hier nach den Ursprüngen des Schädels. Man fand heraus, dass der Schädel nicht wie angegeben von Mitchell-Hedges in Belize gefunden wurde, sondern von ihm über das Auktionshaus Sotherbys von dem Kunsthändler Sydney Burney ersteigert worden war. Als dies bekannt wurde, dementierte die Tochter und damalige Verwalterin des Mitchell-Hedges-Schädels diese Version und gab an, dass Mitchell-Hedges den Schädel wegen Geldknappheit selber an Burney verkauft habe und ihn danach wieder zurück ersteigert habe. Dem widerspricht jedoch eine Veröffentlichung aus dem Jahre 1936 in der Zeitschrift »Man« von Eugène Bobans, der genau den Mitchell-Hedges-Schädel mit seinem abnehmbaren Kiefer beschreibt. Dieser Bobans wollte übrigens auch einen Schädel mit einem beweglichen Unterkiefer an das Museum in Mexiko verkaufen, was aber vom Museum abgelehnt wurde, da der Verdacht des Betruges bestand (Morton 1998).

Fazit

Es ist festzuhalten, dass die vier berühmtesten Schädel keine Artefakte, sondern moderne Kunsthandelsobjekte sind. Interessant ist auch ein Wandel in der Esoterik. Waren sie im ausgehenden 19. Jhd. und auch noch in den 50ern des 20 Jhd. schwarzmagische Unglücksboten, wie der Name des Mitchell-Hedges-Schädels (Skull of Doom, Schädel des Untergangs) schon andeutet, so sind sie in der modernen Esoterik zu Heilsbringern verkommen.

Anmerken kann man noch, dass es eine regelrechte Kristallschädelinflation gibt und mittlerweile jeder TV-Hellseher so einen Schädel aus Kristall, aber auch aus Glas und Kunstharz besitzt. Selbst bei Ebay gibt es eine Flut von Kristallschädeln. Wenn die Kristallschädel wirklich den Weltuntergang verhindern sollten, dann hat sich jemand die größte Mühe gemacht, diese so weit wie möglich zu verstecken.

Der direkte Link zu der mikroskopischen Untersuchung

Untersuchung zum wahren Ursprung des Mitchell Hedges Schädel

Im Zuge der Abenteuerdoku Serie „Expedition Unknown“ Staffel 6 Folge 7, bzw. Staffel 5 Folge 2 in der deutschen Version, wurde die Untersuchung am Mitchell Hedges Schädel wiederholt und man kam wieder zu dem Ergebnis, dass die Bearbeitungsspuren auf ein modernes Schleifrad zurückgehen, also der Schädel nicht von den Maya hergestellt wurde.

Kuriosa

Angeblich wurde einer der Schädel in den 70ern im Labor von Hewlett-Packard untersucht, und man kam zu erstaunlichen Ergebnissen, unter anderem, dass man niemals so einen Schädel aus einem Kristall schneiden könne und dass man verschiedene elektromagnetische Eigenschaften wie in Silikon-Mikrochips finden konnte. Hewlett-Packard stellte aber klar, dass die entsprechenden Ergebnisse folgende waren:

  • Der Schädel war aus Quarz.
  • Kiefer wie auch der Schädel bestehen aus demselben Quarzstück3.

Es gibt sogenannte Kristallschädelessenzen zu kaufen, diese wurden durch den Kristallschädel angeschaut und schwingen dementsprechend in der Frequenz des Kristallschädels.

Literatur

  • MORTON, C., & THOMAS, C. L. (1998). Tränen der Götter die Prophezeiung der 13 Kristallschädel. Bern, Scherz.
  • DÄNIKEN, E. V. (1989). Kosmische Spuren: neue Entdeckungen der Präastronautik aus fünf Kontinenten. München, Goldmann.
  • CARROLL, R. T. (2003). The skeptic’s dictionary a collection of strange beliefs, amusing deceptions, and dangerous delusions. Hoboken, NJ, Wiley.
  • Gray, J. : Dead Men’s Secrets: Tantalising Hints Of A Lost Super Race. (Graue Literatur)
  • Habeck, R. (2003). Die letzten Geheimnisse: Rätselhafte Funde der Geschichte. Rheda-Wiedenbrück.
  • STEIGER, B., & STEIGER, S. H. (2003). The Gale encyclopedia of the unusual and unexplained. Detroit, Thomson/Gale.
  • DESALVO, J. A. (2003). The complete pyramid sourcebook. [United States], 1st Books.
  • Ercivan, E. (2004). Gefälschte Wissenschaft: Wie Wissenschaft Wissen schafft. Rottenburg: Kopp.
  • HABECK, R. (2006). Geheimnisvolles Österreich: rätselhafte Funde, wundersame Erscheinungen, übersinnliche Phänomene. Wien, Ueberreuter
  • WALSH, J. M. (2008). Legend of the Crystal Skulls – The truth behind Indiana Jones’s latest quest. Archaeology : a Magazine Dealing with the Antiquity of the World. 61, 36.
  • HABECK, R. (2010). Dinge, die es nicht geben dürfte mysteriöse Funde aus aller Welt. München.
  • JOHNSTON, S. A. (2010). Myths and mysteries in archaeology. Prince Frederick, MD, Recorded Books.
  • Feder, K. L. (2010). Encyclopedia of dubious archaeology: From Atlantis to the Walam Olum. Santa Barbara, Calif: Greenwood.

  1. nach seinem Fundort Lubaantun in Belize 

  2. in einer Kurzfassung online veröffentlicht. An dem Pariser Schädel wurde 2010 noch eine Untersuchung vorgenommen, die wieder bestätigte, dass er in der Neuzeit gefertigt wurde 

  3. HP Measrue 1972-2 http://www.hparchive.com/measure_magazine/HP-Measure-1971-02.pdf