{"id":523,"date":"2020-02-29T12:42:04","date_gmt":"2020-02-29T11:42:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.palaeoseti.de\/?p=523"},"modified":"2026-06-12T11:13:53","modified_gmt":"2026-06-12T09:13:53","slug":"plinius-petronius-und-das-praehistorische-aluminium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palaeoseti.de\/?p=523","title":{"rendered":"Plinius, Petronius und das pr\u00e4historische Aluminium"},"content":{"rendered":"<p>Kannte ein r\u00f6mischer Handwerker vor 2000 Jahren schon Aluminium? Wovon berichtet Plinius?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div class=\"level1\"><\/div>\n<h2 id=\"die_prae-astronautik_beschreibung\" class=\"sectionedit2\">Die Pr\u00e4-Astronautik Beschreibung<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-279\" src=\"https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/150_glost.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"63\" \/><\/p>\n<div class=\"level2\">\n<p>Die Geschichte des Aluminiums beginnt offiziell im Jahre 1808, als Sir Humphry Davy es bei seinen Untersuchungen entdeckt. Aber erst 1827 wurde ein Verfahren entwickelt, um reines Aluminium herzustellen. Doch gibt es bei verschiedenen r\u00f6mischen Historikern den Bericht einer Begebenheit, nach der die Erfindung des Aluminiums wesentlich \u00e4lter sein k\u00f6nnte. Gab es vor 2000 Jahren schon Aluminium?<\/p>\n<p>So berichten Plinius und auch Petronius, dass einst im Palast des Kaisers Tiberius, der in den Jahren 14 bis 37 n. Chr. regierte, ein Metallarbeiter erschien und ein metallisches Geschenk anbot, das \u00e4u\u00dferlich wie Silber aussah, aber auffallend leicht war. Der Kaiser fragte den Arbeiter, wo dieses Metall zu finden w\u00e4re, und erhielt die Antwort, dass jener es aus einer tonhaltigen Erde hergestellt h\u00e4tte. Tiberius fragte weiter, ob sonst noch jemand um das Vorhandensein und die Herstellung dieses Metalls w\u00fcsste, worauf der Arbeiter zu seinem Unheil erwiderte, dass au\u00dfer ihm nur Jupiter das Geheimnis kenne. Der Kaiser aber war von Argwohn erfasst, dass das neue Metall den Wert des Goldes und des Silbers sch\u00e4digen k\u00f6nnte, und lie\u00df daher die Werkstatt des Geschenkgebers zerst\u00f6ren und denselben enthaupten, sodass die Erfindung verloren ging.<\/p>\n<\/div>\n<h2 id=\"klassische_erklaerung\" class=\"sectionedit3\">Klassische Erkl\u00e4rung<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<p>Die einfachste Methode, diese Anekdote zu \u00fcberpr\u00fcfen, ist, auch hier wieder sich die Originaltexte anzusehen. So finden wir bei Petronius folgenden Text:<\/p>\n<blockquote><p>Fuit tamen faber qui fecit phialam vitream, quae non frangebatur.<br \/>\nAdmissus ergo Caesarem est cum suo munere, deinde fecit reporrigere Caesari et illam in pavimentum proiecit.<br \/>\nCaesar non pote valdius quam expavit. At ille sustulit phialam de terra;<br \/>\ncollisa erat tamquam vasum aeneum. Deinde martiolum de sinu protulit et phialam otio belle correxit.<br \/>\nHoc facto putabat se coleum Iovis tenere, utique postquam illi dixit:<br \/>\n&#8218;Numquid alius scit hanc condituram vitreorum?&#8216; Vide modo.<br \/>\nPostquam negavit, iussit illum Caesar decollari: quia enim, si scitum esset, aurum pro luto haberemus.<\/p><\/blockquote>\n<p>Petronius Arbiter Satyricon Buch 1 Kapitel LI (51)<\/p>\n<blockquote><p>Es war einmal ein K\u00fcnstler, welcher gl\u00e4serne Vasen herstellte, die nicht zerbrachen.<br \/>\nDeswegen wurde er zu Caesar vorgelassen, um seine Arbeit vorzustellen.<br \/>\nDoch Caesar erschrak, als der K\u00fcnstler die Vase mit aller Kraft auf den Boden warf.<br \/>\nDoch der Vase war nichts passiert, sie war nur etwas zerquetscht.<br \/>\nDer Handwerker zog einen kleinen Hammer hervor und korrigierte die Vase.<br \/>\nNachdem das geschehen war, fragte ihn Caesar, ob noch jemand das Rezept zur Herstellung dieses Glases kennen w\u00fcrde.<br \/>\nDer K\u00fcnstler sagte, dass nur Jupiter das Geheimnis kennen w\u00fcrde und sonst niemand.<br \/>\nDaraufhin lie\u00df ihn Caesar k\u00f6pfen mit der Begr\u00fcndung, wenn es sich herumspricht,<br \/>\nwie man solche Glasgef\u00e4\u00dfe machen kann, dann wird das Gold nur noch gegen Kot getauscht werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hoppla, bei Petronius klingt diese Geschichte also ganz und gar anders. Es ist also nicht von einem silbrigen Gegenstand die Rede, sondern ganz klar von Glas. Von unzerbrechlichem Glas.<\/p>\n<p>Aber schauen wir mal, was Plinius dazu sagt.<\/p>\n<blockquote><p>&#8230;ferunt Tiberio principe excogitato vitri temperamento, ut flexile esset,<br \/>\ntotam officinam artificis eius abolitam, ne aeris, argenti, auri metallis pretia detraherentur.<\/p><\/blockquote>\n<p>Plinius d.\u00c4. Naturalis historia XXXVI (36,195)<\/p>\n<blockquote><p>&#8230;Tiberius dachte, dass hartes und flexibles Glas die Entwertung von Kupfer,<br \/>\nSilber und Gold zur Folge h\u00e4tte, (da man Glas einfach aus Sand herstellen k\u00f6nnte.<br \/>\nAnmerkung im Kapitel davor).<\/p><\/blockquote>\n<p>Also auch Plinius der \u00c4ltere berichtet nicht von einem silbrigem Gegenstand, den man f\u00fcr Aluminium halten k\u00f6nnte, sondern explizit von flexiblem Glas.<\/p>\n<p>Leider geistert diese Geschichte schon unendlich lange in der Literatur herum, so dass selbst seri\u00f6sere Pr\u00e4-Astronautik-Schriftsteller diese Geschichte aufgegriffen haben und erz\u00e4hlen. Ich konnte die Geschichte zu einem Vortrag des Generals Sainte-Claire Deville \u00fcber Aluminium an der Sorbonne<sup>[<a href=\"#footnote_1_523\" id=\"awef_ident_1_523\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Teil der Pariser Universit&auml;t\">1<\/a>]<\/sup> im Jahre 1864 zur\u00fcckverfolgen. Leider kann ich kein Franz\u00f6sisch, sodass mir nicht klar ist, wie Deville auf die Interpretation kommt, dass Plinius und Petronius Aluminium meinen k\u00f6nnten.<\/p>\n<\/div>\n<h2 id=\"fazit\" class=\"sectionedit4\">Fazit:<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<p>Man kann also festhalten, dass es zumindest bei den r\u00f6mischen Historikern keine Beschreibung von aluminum\u00e4hnlichen Gegenst\u00e4nden gibt. Vielmehr erinnern sie an die heutigen Versuche, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Willow_Glass\">biegsames Glas<\/a> herzustellen.<\/p>\n<\/div>\n<h2 id=\"literatur\" class=\"sectionedit5\">Literatur:<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<ul>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\"><a class=\"urlextern\" title=\"http:\/\/archive.org\/details\/cplinisecundina05plingoog\" href=\"http:\/\/archive.org\/details\/cplinisecundina05plingoog\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">C. Plini. Secundi Naturalis historiae libri XXXVii<\/a><\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\"><a class=\"urlextern\" title=\"http:\/\/www.sacred-texts.com\/cla\/petro\/satyr\/sat09.htm#LI\" href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20180129025639\/http:\/\/www.sacred-texts.com\/cla\/petro\/satyr\/sat09.htm#LI\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Petronius THE SATYRICON<\/a><\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">M. HENRY SAINTE-CLAIRE DEVILLE. (1864)DE L\u2019ALUMINIUM. In: LES SOIR\u00c9ES SCIENTIFIQUES DE LA SORBONNE.<\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">BERTHELOT, M., &amp; STRUNZ, F. (1909). Die Chemie im Altertum und im Mittelalter. Leipzig und Wien.<\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">FISCHINGER, L. A. (2009). Historia Mystica ra\u0308tselhafte Pha\u0308nomene, dunkle Geheimnisse und das unterdru\u0308ckte Wissen der Menschheit. Mu\u0308nchen<\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">FISCHINGER, L. A. (2010). Verbotene Geschichte die grossen Geheimnisse der Menschheit und was die Wissenschaft uns verschwiegen hat. Mu\u0308nchen<\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">D\u00c4NIKEN, E. V. (2011). Die andere Seite der Arch\u00e4ologie Faszination des Unbekannten. Rottenburg<\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<h2 id=\"siehe_auch\" class=\"sectionedit6\">Siehe auch<\/h2>\n<div class=\"level2\">\n<p>Der Aluiminiumkeil von Aiud<\/p>\n<\/div>\n\t\t\t<style>\n\t\t\t\t\t\t\tol.footnotes.awepost_523>li {list-style-type:decimal;}\n\t\t\t\tol.footnotes.awepost_523>li>span.symbol {display: none;}\n\t\t\tol.footnotes { color:#666666; }\r\nol.footnotes li { font-size:80%; }\t\t\t<\/style>\n\t\t\t<ol start=\"1\" class=\"footnotes awepost_523\">\n\t<li id=\"footnote_1_523\" class=\"footnote\"><span class=\"footnote-back-link-wrapper\"><span class=\"awef-pre-backlink\"><\/span><a href=\"https:\/\/www.palaeoseti.de\/?p=523#awef_ident_1_523\" class=\"footnote-link footnote-back-link\"  title=\"Zur\u00fcck zum Text\"  aria-labelby=\"Zur\u00fcck zum Text\">\u2191<\/a><span class=\"awef-pre-backlink\"><\/span><\/span>Teil der Pariser Universit\u00e4t<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kannte ein r\u00f6mischer Handwerker vor 2000 Jahren schon Aluminium? 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