{"id":1719,"date":"2024-07-18T14:38:19","date_gmt":"2024-07-18T12:38:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.palaeoseti.de\/?p=1719"},"modified":"2026-06-15T13:43:24","modified_gmt":"2026-06-15T11:43:24","slug":"bosnische-pyramiden-weltwunder-oder-mythos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palaeoseti.de\/?p=1719","title":{"rendered":"Die bosnischen Pyramiden"},"content":{"rendered":"<p class=\"Normal tm6\"><span class=\"tm7\">Mythos bosnische Pyramiden: Was steckt hinter den Thesen von Semir Osmanagi\u0107? Entdecke die Hintergr\u00fcnde, geologische Fakten und die Kritik der Arch\u00e4ologen.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ungef\u00e4hre Position der \u201ePyramiden\u201c nach <span class=\"tm7\">Osmanagi\u0107<\/span><\/p>\n<h2><strong>Die bosnischen Pyramiden \u2013 mysteri\u00f6se Bauwerke oder geologische Formationen?<\/strong><\/h2>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">In der Stadt Visoko, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Sarajevo, erhebt sich ein geologisches R\u00e4tsel, das Wissenschaftler und Altertumsinteressierte gleicherma\u00dfen besch\u00e4ftigt. Der bosnische Autor und Forscher Semir Osmanagi\u0107 identifizierte dort f\u00fcnf pyramidenf\u00f6rmige Strukturen: die Pyramide der Sonne, die Pyramide des Mondes, die Pyramide des Drachen, die Pyramide der Erde und die Pyramide der Liebe. Nach seiner Behauptung errichteten die Illyrer diese Strukturen vor rund 12 000 Jahren \u2013 gegen Ende der letzten Eiszeit.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">Osmanagi\u0107 geht noch weiter: Er sieht die Illyrer als Nachfahren der legend\u00e4ren Zivilisationen Atlantis und Lemuria und behauptet, dass dieselbe Kultur weltweit Pyramiden errichtet habe. Die Pyramide der Sonne, mit einer angeblichen H\u00f6he von 220 Metern, bezeichnet er als die \u201eMutter aller Pyramiden&#8220;. Diese Thesen l\u00f6sten international hitzige Debatten \u00fcber Arch\u00e4ologie, alternative Geschichte und Pseudowissenschaft aus.<\/p>\n<h2>Die geologische Erkl\u00e4rung<\/h2>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">Pyramidenf\u00f6rmige H\u00fcgel sind weltweit keine Seltenheit. Erosion und tektonische Prozesse formen Sedimentgesteine regelm\u00e4\u00dfig in kantige, ann\u00e4hernd symmetrische Strukturen. Geologische Untersuchungen zeigen, dass die H\u00fcgel um Visoko haupts\u00e4chlich aus Brekzie und anderen Sedimentgesteinen bestehen. Bei oberfl\u00e4chlicher Betrachtung k\u00f6nnen diese Formationen tats\u00e4chlich den Eindruck k\u00fcnstlich bearbeiteter Strukturen erwecken.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">Der Wissenschaftsjournalist John Bohannon untersuchte die St\u00e4tte und ver\u00f6ffentlichte seine Ergebnisse 2006 in der Fachzeitschrift <em>Science<\/em>. Er kommt darin zu dem Schluss, dass die Tunnel und Mauern rund um die H\u00fcgel wahrscheinlich \u00dcberreste alter Minen oder mittelalterlicher Wasserbecken sind. Zudem beschreibt Bohannon, dass die wissenschaftlichen Untersuchungen wiederholt mit unlauteren Methoden konfrontiert wurden.<\/p>\n<p><strong>Die Kontroverse um die bosnischen Pyramiden<\/strong><\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">Die unkontrollierten Grabungen Osmanagi\u0107s riefen rasch internationalen Protest hervor. Namhafte Arch\u00e4ologen und Forscher warnten, dass echte historische \u00dcberreste \u2013 darunter neolithische und mittelalterliche Kulturspuren \u2013 durch die Arbeiten unwiederbringlich besch\u00e4digt werden k\u00f6nnten. 2006 richteten zahlreiche Unterzeichner einen Protestbrief an die UNESCO, um auf die Gef\u00e4hrdung des bosnischen Kulturerbes hinzuweisen.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">Die Arch\u00e4ologin Silvana Cobanov berichtete nach Ausgrabungen in der Region Plje\u0161ivica im selben Jahr, dass die Grabungsleitung h\u00e4ufig in den H\u00e4nden fachfremder Personen lag \u2013 darunter der Maschinenbauingenieur Goran \u010caki\u0107. Funde wurden demnach vorschnell als pr\u00e4historische Artefakte oder Pyramideneing\u00e4nge deklariert, ohne ausreichende Belege vorzulegen.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">2012 untersuchten die Geologen Dougal Jerram und Henry J. Chapman das Gebiet unabh\u00e4ngig voneinander. Ihr Befund war eindeutig: Die Formationen bestehen ausschlie\u00dflich aus Sedimentgesteinen, die \u00fcber Millionen von Jahren entstanden sind. Arch\u00e4ologische Belege f\u00fcr k\u00fcnstliche Pyramidenstrukturen fanden sie keine. Stattdessen dokumentierten sie Anzeichen f\u00fcr schlechte Grabungspraxis, die m\u00f6glicherweise historische Spuren zerst\u00f6rt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"Normal tm6\"><span class=\"tm7\">Kuriosa:<\/span><\/h2>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">2008 reichte ein Blogger unter dem Pseudonym Izmo Gugli\u0107 bewusst gef\u00e4lschte pseudowissenschaftliche Artikel auf Osmanagi\u0107s Website ein. Er gab sp\u00e4ter zu, dass es sich um einen Scherz handelte \u2013 die Texte blieben dennoch online. Dieser Vorfall befeuerte die Kritik an der Seriosit\u00e4t des gesamten Projekts.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">Bemerkenswert ist auch die Einsch\u00e4tzung des Geologen Robert Schoch, der durch seine eigene, wissenschaftlich umstrittene Neudatierung der Sphinx bekannt wurde und der Pseudowissenschaft gegen\u00fcber grunds\u00e4tzlich aufgeschlossen gilt. Selbst er attestierte in der esoterischen Zeitschrift <em>Sub Rosa<\/em>, dass es sich bei den bosnischen Pyramiden lediglich um geologische Formationen handele.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal\">Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die fehlerhafte Interpretation nat\u00fcrlicher Strukturen zeigt ein h\u00e4ufig zitiertes Foto, das angebliches Gehwegpflaster darstellen soll. Die parallelen Kanten und die \u00fcber mehrere Steine hinweg durchlaufenden Strukturen \u2013 erkennbar etwa an gleichm\u00e4\u00dfigen Linien, die Steingrenzen ignorieren \u2013 weisen eindeutig auf eine durch eiszeitliche Bewegungen zerbrochene Sandsteinplatte hin, nicht auf menschliche Bearbeitung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1721\" aria-describedby=\"caption-attachment-1721\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Gehweg_4-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1721 size-medium\" src=\"https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Gehweg_4-300x225.jpg\" alt=\"&lt;a href=&quot;https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Gehweg_4.jpg&quot;&gt;Mrs.Aletheia&lt;\/a&gt;, &lt;a href=&quot;https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0&quot;&gt;CC BY-SA 4.0&lt;\/a&gt;, via Wikimedia Commons\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Gehweg_4-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Gehweg_4-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Gehweg_4-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Gehweg_4-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Gehweg_4-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Gehweg_4-465x349.jpg 465w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Gehweg_4-667x500.jpg 667w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1721\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Gehweg_4.jpg\">Mrs.Aletheia<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\">CC BY-SA 4.0<\/a>, via Wikimedia Commons<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_1722\" aria-describedby=\"caption-attachment-1722\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geweg.webp\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1722 size-large\" src=\"https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geweg-1024x342.webp\" alt=\"Urspr\u00fcnglich von Mrs.Aletheia, CC BY-SA 4.0 &lt;https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0&gt;, via Wikimedia Commons\" width=\"1024\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geweg-1024x342.webp 1024w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geweg-300x100.webp 300w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geweg-768x256.webp 768w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geweg-1536x512.webp 1536w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geweg-2048x683.webp 2048w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geweg-465x155.webp 465w, https:\/\/www.palaeoseti.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/geweg-695x232.webp 695w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1722\" class=\"wp-caption-text\">Eine durchg\u00e4ngige Steinstruktur auf dem angeblichen Gehwegpflaster zeigt, dass es sich hier nicht um ein k\u00fcnstlich angelegtes Pflaster handelt, sondern um eine Gesteinsschicht, die durch Schiebebewegungen zerbrochen ist. Typisch f\u00fcr eiszeitlich abgelagerte Schichten. Urspr\u00fcnglich <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Gehweg_4.jpg\">Mrs.Aletheia<\/a>, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\">CC BY-SA 4.0<\/a>, via Wikimedia Commons<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mythos bosnische Pyramiden: Was steckt hinter den Thesen von Semir Osmanagi\u0107? Entdecke die Hintergr\u00fcnde, geologische Fakten und die Kritik der Arch\u00e4ologen. 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