Der sagenhafte Kontinent MU

Mu ist ein sagenhafter Kontinent, der im Pazifik gelegen haben, aber ähnlich wie Atlantis eines Tages in den Fluten verschwunden sein soll. Von ihm seien die Mayas nach Amerika eingewandert.

Die Vorstellung, es habe einen versunkenen Kontinent namens Mu gegeben, geht zurück auf die Arbeiten des französischen Historikers, Ethnologen und Archäologen Charles Étienne Brasseur de Bourbourg  im 19. Jahrhundert. Dieser bezog sich dabei auf Platons Atlantis, das er im westlichen Atlantik verortete. Da er die alten Texte der Quiché und Maya nur mithilfe des unzureichenden Landa-Alphabets entzifferte, glaubte er in ihnen den Begriff Mu entdeckt zu haben. Ein katastrophistisches Szenario zum Untergang des vermeintlichen Kontinents lieferte Brasseur erst in seiner letzten Veröffentlichung, einem Papier mit dem Titel Chronologie historique des Mexicains (1872). Darin identifizierte er unter Bezugnahme auf den aztekischen Codex Chimalpopoca vier Perioden weltweiter Kataklysmen, die um etwa 10.500 v. Chr. begonnen haben sollen, und die er auf Verschiebungen der Erdachse zurückführte.

Wenig später griff auch der Schriftsteller und Hobby-Archäologe Augustus Le Plongeon die Idee vom Untergegangenen Kontinetn MU auf, als er die Maya-Ruinen von Yucatán untersuchte. Er behauptete, alte Maya-Aufzeichnungen übersetzt zu haben, die darauf hinwiesen, dass die Maya-Zivilisation älter sei als die der Ägypter oder sogar der Atlanter; sie sei durch Überlebende des Untergangs des Kontinents Mu gegründet worden. Heute nimmt man allgemein an, dass diese angeblichen Übersetzungen ein Fantasieprodukt Le Plongeons gewesen sind.

Der Abenteurer James Churchward nahm die Suche nach Mu wieder auf und verfasste mehrere Abhandlungen und Bücher darüber. Obwohl diese Arbeiten auch in akademischen Kreisen zum Teil ernst genommen wurden, gilt Churchwards Schaffen aufgrund der Komplexität seiner Spekulationen und vor allem der fehlenden Quellen heute als wenig seriöse Grenzwissenschaft.

Das ägyptische Totenbuch des Juju. Laut Churchward sieht er in dieser Darstellung eine Darstellung von Mu.
Darstellung aus Churchwards The Sacred Symbols of Mu

Auch wenn Churchwards Veröffentlichungen und Vorstellungen zum Thema ‚Mu‘ – wie schon zuvor die Le Plongeons – in wissenschaftlichen Kreisen auf Ablehnung oder Desinteresse stießen und lediglich bei esoterischen Autoren Zustimmung fanden, blieb die Vorstellung einer im Pazifik versunkener Landmasse und einer darauf beheimateten Urkultur weiterhin populär. Bereits 1924 hatte der schottisch-neuseeländische Universitätsprofessor John Macmillan Brown, vermutet, die megalithischen Strukturen auf vielen Inseln des Pazifikraums stellten einen deutlichen Hinweis auf die vormalige Existenz einer uralten Hochkultur sowie auf eine sehr spät versunkene Landmasse dar, auf welcher diese Kultur beheimatet gewesen sei. In den späten 1930er-Jahren ließ dann Mustafa Kemal Atatürk, der Begründer der heutigen Türkei, intensiv nach Mu forschen, wie in einigen türkischen Publikationen veröffentlicht wurde. Ziel von Atatürk war es, die Hintergründe für die vermeintlichen Parallelen der Ursprungskultur der Turkvölker mit den zahllosen indianischen Kulturen, wie den Azteken und Mayas, auf dem amerikanischen Kontinent zu ermitteln.

Von späteren Anhängern der Mu-Hypothese wird darauf hingewiesen, dass auch das Book of the Hopi aussage, es habe im Pazifik einst ein solcher Kontinent gelegen, den die nordamerikanischen Hopi Kásskara nennen1. Nikolai Zhirov erwähnt unter Bezugnahme auf Thor Heyerdahl eine Legende der Osterinsel-Bewohner, der zufolge ein Riese namens Uwoke in einem Wutausbruch den Untergang eines großen Kontinents verursacht habe, dessen Überrest die Osterinseln seien. Auftrieb bekam die Mu-Hypothese zu Beginn der 1990er Jahre auch durch die Veröffentlichungen des Meeresgeologen Masaaki Kimura zum sogenannten Yonaguni-Monument, einer seit Jahrtausenden überfluteten Felsstruktur vor der heutigen Küste der japanischen Insel Yonaguni.

Geologisch gesehen kann es keinen solchen Kontinent gegeben haben. Zusätzlich verschmilzt in der Grenzwissenschaft Lemuria und Mu oft miteinander, auch wenn diese eigentlich eine ganz unterschiedliche Lage haben sollen.

 

Siehe auch:

Landbrücke Lemuria

 Literatur


  1. Waters, F. (1969). Book of the Hopi